Hey (2018)

Hey, also die Arbeiten sind wirklich schön. Jetzt war ich mir nicht so sicher, was du eigentlich von mir erwartest. Ich habs also genossen und außerdem eine Auswahl getroffen mit der ich besonders viel anfangen kann. Du kannst die ja einfach ignorieren oder auch für deine Abschlusspräsentation mit in Betracht ziehen. No hard feelings.

Jetzt schreib ich dir nochmal eine paar Gedanken, die mir gerade beim ansehen kamen und die, die ich dir damals schon am Telefon mitteilte. Vielleicht findest du die interessant oder kannst sie für deine Präsentation verwenden. No hard feelings.

Wie gesagt, ich sehe eine große Kraft der Bilder darin, dass sie mit dem Handy in Alltagssituation von einem Alltagsmenschen gemacht worden sind: Sie sind die Geste eines ehrlich Inspirierten. Sie sind nicht übermäßig bemühtes Design, obwohl sie sich für ein klassisches Thema solcher Leute interessiert. Meine Auswahl spiegelt wohl auch nochmal besonders diesen Aspekt. Also nochmal kurz: Die Bilder machen entgegen der Perfektion und Professionalität einen Moment von Schönheit im Alltag und der Möglichkeit dessen stark! Ich finds toll!

Die Bilder zeigen grundsätzlich wie Licht auf Dinge fällt. So passiert Sehen ja überhaupt. Bei deinen Bilder wird es besonders schön sichtbar, wie unterschiedliches Licht die Dinge unterschiedlich färbt und dadurch anders erscheinen lässt. Damit kommentieren sie diese Abhängigkeit unseres Wissens von den Dingen vom Licht. Also kennen wir einen Gegenstand nur so wie er angeleuchtet wird. Klar eigentlich, aber auch ein grundsätzlich kritischer Aspekt der Möglichkeit von Erkenntnis durch und Wissen von Dingen gegenüber. Man mag meinen, wenn man nun die Qualität von Licht, das Phänomen Licht, versteht, würde man das einfach vom jeweiligen angestrahlten Ding abziehen können und wüsste endlich was über dieses. Das Problem hier – du thematisierst es, finde ich, wenn du die Lichtquelle selber wie eine unrealistische Kopfnote mit ins Bild komponierst – ist, dass wir eigentlich nicht richtig ins Licht schauen können. Wenn wir geblendet werden, sehen wir nicht so wie sonst und können den Ursprung des Lichts nicht ins Verhältnis mit dem sonst Beobachteten setzen. Also hat Licht selbst keinen Körper und entzieht sich dieser unserer Erkenntniskategorien. Eigentlich auch klar, aber trotzdem interessant, dass da was körperloses Körper beschreibt, diese dabei in ihrer körperlosen Qualität als sichtbare. Schön ist jetzt auch, dass die Photographie ja geradezu prädestiniert ist, sich mit dieser Sache auseinanderzusetzen, weil sie Licht einfängt. Das heißt, wenn wir erst die Erfahrung der Unnahbarkeit von Licht machen, bemerken wir darauf, dass sie ja gefasst wurde in dem Ding Photo. Quasi körperlich gebunden. Deswegen sind die Bilder so schön, weil sie die bittere Vollständigkeit der Erfahrung ums Licht, aber auch das komplexe schöne Erleben der Situation ums Licht, verwandeln. Sie reduzieren und verwandeln in ein Bild würde ich sagen. So kann die künstliche kalte Lichtwelt aus dem warmen in vier Ecken als bildhaft-schön empfunden werden. In echt kreiert dieses Licht ja für Schwärmer und rastlose Nachtmenschen einen Sog, der nicht nur schön sein soll, sondern anziehen soll und weiter einer Wirtschaft der Lust zuspielen soll. Die Bilder dienen diesem Effekt aber nicht mehr, weil die Situation und das Licht in ihnen abgeschlossen sind. Sie sind nicht Werbung für das Nachtleben, sondern haben deine Lichtstudien als abschließendes Mittel und Zweck.

Ganz unintelektuell noch: Echt gut diese Bilderreihen – ich würde sie ganz unfancy in einem Video als Diashow sozusagen einfach hinternander legen, das betont nochmal einen zeitlichen und situativen Aspekt eines jeden Bildes und seines Lichts.

Auch trau dich, Bilder auf dem Kopf zu zeigen, wenn die so rum besser komponiert werden: Vorrang des Bildes vor dem Gegenstand!

Danke, boy, hat Spaß gemacht! Dein Phipsi

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